Mit dem Rad nach Südostasien?
Zero Emission – sammeln wir gebrauchte Kleiderbügel ab 2027 mit dem Lastenfahrrad ein?
Das Titelbild ist bewusst provokant. Natürlich werden gebrauchte Kleiderbügel künftig nicht mit dem Lastenfahrrad bis nach Südostasien transportiert. Die Fotomontage soll jedoch zeigen, in welche Richtung sich die Logistik in Europa entwickelt.
Grundlage dafür ist das Europäische Klimagesetz (Verordnung EU 2021/1119). Es verpflichtet die Europäische Union, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 zu senken und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.
Diese Ziele sind anspruchsvoll, aber wirtschaftlich erreichbar. Sie verändern die gesamte Logistik – von der Abholung beim Bekleidungseinzelhandel bis zur Rückführung der Kleiderbügel zu den Bekleidungsherstellern weltweit.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören unter anderem:
- Senkung des Endenergieverbrauchs,
- schrittweise Reduzierung der CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr,
- Elektrifizierung des Transportwesens,
- Einsatz von grünem Wasserstoff,
- sowie ein deutlicher Ausbau der Kreislaufwirtschaft.
Dabei rückt die Wiederverwendung von Produkten immer stärker in den Mittelpunkt. Für Mehrwegsysteme wie geschlossene Kleiderbügelkreisläufe ist dies eine große Chance. Die EU bewertet Wiederverwendung, Reparatur, Recycling und einen geringeren Einsatz von Primärrohstoffen als wesentliche Instrumente des Klimaschutzes.
Für Unternehmen bedeutet das künftig unter anderem:
- Produkte für Wiederverwendung und Recycling entwickeln,
- höhere Anteile an Recyclingmaterial einsetzen,
- Rücknahme- und Herstellerverantwortung übernehmen,
- digitale Produktpässe einführen,
- Materialherkunft und CO₂-Fußabdruck transparent nachweisen.
Gerade für geschlossene Kleiderbügelkreisläufe gewinnen diese Anforderungen zunehmend an Bedeutung.
Was bedeutet das für C&A?
Die Wiederverwendung von Kleiderbügeln ist innerhalb der C&A-Gruppe bereits seit Anfang der 2000er Jahre ein wichtiges Thema. Das System wurde kontinuierlich weiterentwickelt – nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch, weil es wirtschaftlich deutliche Vorteile bietet.
Mit den verschärften Klimazielen bis 2030 erhält dieses Thema zusätzliche Bedeutung.
Die Niederlande verfolgen dabei zwei zentrale Strategien:
- den Ausbau einer emissionsfreien Mobilität,
- den Übergang zu einer vollständig zirkulären Wirtschaft bis 2050, in der Produkte und Rohstoffe möglichst lange im Umlauf bleiben.
Was ändert sich in den Niederlanden ab 2027?
Bereits seit 2025 können niederländische Städte sogenannte Zero Emission Zones (ZEZ) einführen. Diese gelten für den gewerblichen Liefer- und Serviceverkehr.
Ab 1. Januar 2027 dürfen in diesen Innenstädten viele ältere Transporter – insbesondere Fahrzeuge der Euro-5-Klasse und älter – nicht mehr eingesetzt werden. Davon betroffen sind unter anderem Paketdienste, Textillogistik und Entsorgungsunternehmen.
Parallel fördert die niederländische Regierung den Umstieg auf:
- Elektro-Transporter und Elektro-Lkw,
- City-Hubs an den Stadträndern,
- gebündelte Lieferverkehre,
- elektrische Kleintransporter,
- Investitionszuschüsse und steuerliche Vorteile für emissionsfreie Fahrzeuge.
Unser Pilotprojekt
Gemeinsam mit der C&A-Gruppe in den Niederlanden entwickeln wir derzeit eine dezentrale Sammellogistik für gebrauchte Kleiderbügel. Ziel ist es, Elektro-Kleintransporter sinnvoll einzusetzen, ohne den Service zu verschlechtern oder zusätzliche Rückführkosten entstehen zu lassen.
Über die Ergebnisse dieses Pilotprojekts werden wir regelmäßig berichten.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie:
- Wie bewährt sich das Konzept im täglichen Betrieb?
- Welche Auswirkungen haben Batteriereichweiten und Ladezeiten?
- Wie funktionieren Zufahrt und Logistik innerhalb der Zero Emission Zones?
- Welche Kosten entstehen tatsächlich?
- Welche praktischen Herausforderungen treten auf?
- Und welche Lösungen haben sich in der Praxis bewährt?
Unser Ziel bleibt unverändert: ökologisch sinnvollere Logistik mit wirtschaftlich tragfähigen Lösungen zu verbinden.
KI optimiert
Über den Autor
Hermann Bode
Autor von Green-Hanger und Experte für weltweite Kleiderbügelkreisläufe.