Mit dem Rad nach Südostasien?
Das Titelbild ist bewusst provokant. Natürlich werden gebrauchte Kleiderbügel künftig nicht mit dem Lastenfahrrad bis nach Südostasien transportiert. Die Fotomontage soll jedoch zeigen, in welche Richtung sich die Logistik in Europa entwickelt.
Grundlage dafür ist das Europäische Klimagesetz (Verordnung EU 2021/1119). Es verpflichtet die Europäische Union, die Netto-Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 % gegenüber 1990 zu senken und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.
Diese Ziele sind anspruchsvoll, aber wirtschaftlich erreichbar. Sie verändern die gesamte Logistik – von der Abholung beim Bekleidungseinzelhandel bis zur Rückführung der Kleiderbügel zu den Bekleidungsherstellern weltweit.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören unter anderem:
- Senkung des Endenergieverbrauchs,
- schrittweise Reduzierung der CO₂-Emissionen im Straßengüterverkehr,
- Elektrifizierung des Transportwesens,
- Einsatz von grünem Wasserstoff,
- sowie ein deutlicher Ausbau der Kreislaufwirtschaft.
Dabei rückt die Wiederverwendung von Produkten immer stärker in den Mittelpunkt. Für Mehrwegsysteme wie geschlossene Kleiderbügelkreisläufe ist dies eine große Chance. Die EU bewertet Wiederverwendung, Reparatur, Recycling und einen geringeren Einsatz von Primärrohstoffen als wesentliche Instrumente des Klimaschutzes.
Für Unternehmen bedeutet das künftig unter anderem:
- Produkte für Wiederverwendung und Recycling entwickeln,
- höhere Anteile an Recyclingmaterial einsetzen,
- Rücknahme- und Herstellerverantwortung übernehmen,
- digitale Produktpässe einführen,
- Materialherkunft und CO₂-Fußabdruck transparent nachweisen.
Gerade für geschlossene Kleiderbügelkreisläufe gewinnen diese Anforderungen zunehmend an Bedeutung.
Was bedeutet das für den Bekleidungseinzelhandel?
Die Wiederverwendung von Kleiderbügeln ist im europäischen Bekleidungseinzelhandel bereits seit vielen Jahren ein wichtiges Thema. Bei verschiedenen großen Handelsunternehmen wurden entsprechende Rücknahme- und Mehrwegsysteme aufgebaut und kontinuierlich weiterentwickelt.
Der Grund dafür ist nicht nur ökologischer Natur. Ein funktionierender Kleiderbügelkreislauf kann auch erhebliche wirtschaftliche Vorteile bieten. Jeder wiederverwendete Kleiderbügel ersetzt einen neu produzierten Bügel. Damit können Rohstoffe, Energie, Produktionsaufwand und Kosten eingespart werden.
Mit den verschärften Klimazielen bis 2030 erhält dieses Thema zusätzliche Bedeutung.
Die Niederlande verfolgen dabei zwei zentrale Strategien:
- den Ausbau einer emissionsfreien Mobilität,
- den Übergang zu einer vollständig zirkulären Wirtschaft bis 2050, in der Produkte und Rohstoffe möglichst lange im Umlauf bleiben.
Für den Bekleidungseinzelhandel stellt sich deshalb zunehmend die Frage, wie bestehende Kleiderbügelkreisläufe mit neuen Anforderungen an eine emissionsarme oder emissionsfreie Logistik verbunden werden können.
Was ändert sich in den Niederlanden ab 2027?
Bereits seit 2025 können niederländische Städte sogenannte Zero Emission Zones (ZEZ) einführen. Diese gelten für den gewerblichen Liefer- und Serviceverkehr.
Ab 1. Januar 2027 dürfen in diesen Innenstädten viele ältere Transporter – insbesondere Fahrzeuge der Euro-5-Klasse und älter – nicht mehr eingesetzt werden. Davon betroffen sind unter anderem Paketdienste, Textillogistik und Entsorgungsunternehmen.
Parallel fördert die niederländische Regierung den Umstieg auf:
- Elektro-Transporter und Elektro-Lkw,
- City-Hubs an den Stadträndern,
- gebündelte Lieferverkehre,
- elektrische Kleintransporter,
- Investitionszuschüsse und steuerliche Vorteile für emissionsfreie Fahrzeuge.
Damit verändern sich nicht nur die Fahrzeuge. Die gesamte innerstädtische Sammel- und Lieferlogistik muss teilweise neu gedacht werden.
Unser Pilotprojekt
Vor diesem Hintergrund entwickeln wir derzeit in den Niederlanden eine dezentrale Sammellogistik für gebrauchte Kleiderbügel aus dem Bekleidungseinzelhandel.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, bestehende Transporter einfach durch elektrische Fahrzeuge zu ersetzen. Wir wollen untersuchen, wie sich die gesamte Rückführlogistik intelligenter organisieren lässt.
Ziel ist es, Elektro-Kleintransporter und dezentrale Sammelstrukturen sinnvoll einzusetzen, ohne die Servicequalität zu verschlechtern und – ebenso wichtig – ohne zusätzliche Rückführkosten zu erzeugen.
Denn ökologische Verbesserungen werden sich langfristig nur durchsetzen, wenn sie auch wirtschaftlich funktionieren.
Über die Erfahrungen aus diesem Pilotprojekt werden wir regelmäßig berichten.
Im Mittelpunkt stehen dabei Fragen wie:
- Wie bewährt sich das Konzept im täglichen Betrieb?
- Welche Auswirkungen haben Batteriereichweiten und Ladezeiten?
- Wie funktionieren Zufahrt und Logistik innerhalb der Zero Emission Zones?
- Wie lassen sich mehrere Abholstellen sinnvoll bündeln?
- Welche Kosten entstehen tatsächlich?
- Was funktioniert besser als bei der bisherigen Sammellogistik?
- Wo entstehen möglicherweise neue Kosten?
- Welche praktischen Herausforderungen zeigen sich im täglichen Betrieb?
- Und welche Lösungen haben sich in der Praxis bewährt?
Die Fotomontage mit dem Lastenfahrrad ist deshalb vielleicht weniger unrealistisch, als sie auf den ersten Blick erscheint. Ob am Ende tatsächlich Lastenfahrräder, Elektro-Kleintransporter, City-Hubs oder eine Kombination verschiedener Systeme zum Einsatz kommen, wird sich in der Praxis zeigen.
Entscheidend ist das Prinzip dahinter: Kleiderbügelwiederverwendung und emissionsarme Logistik müssen gemeinsam gedacht werden.
Unser Ziel bleibt unverändert: ökologisch sinnvollere Logistik mit wirtschaftlich tragfähigen Lösungen zu verbinden – und damit geschlossene Kleiderbügelkreisläufe auch unter den zukünftigen Anforderungen europäischer Innenstädte erfolgreich weiterzuentwickeln.
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KI optimiert
Über den Autor
Hermann Bode
Autor von Green-Hanger und Experte für weltweite Kleiderbügelkreisläufe.